Dienstag, 25. November 2025

Peru Teil 1

Am 06. November sind wir frühmorgens beim Zoll angekommen. Frühmorgens - chilenische Zeit - sehr früh morgens peruanische Zeit. Hier müssen wir die Uhren zwei Stunden zurückstellen.

Nach etwa einer Stunde Fahrt kommt nochmals ein Zoll. Ein zweites Mal werden unsere Papiere kontrolliert.

Weiter geht die Fahrt durch die Wüste


Keine Steine auf die Fahrbahn legen???? 


Beim Passieren der ersten Tankstelle hier in Peru staunen wir ob den angeschriebenen Preisen und fragen uns, ob wir uns bei der Umrechnung von chilenischen Pesos in peruanische Sol vertan haben. Das Rätsel löst sich beim Tanken: An der Tanksäule sind nicht Liter sondern Gallonen angeschrieben 😂(1 Gallone = 3,78 Liter)

Unser erster Ort zum Verweilen ist Arequipa, die zweitgrösste Stadt Perus und auch "die weisse Stadt" genannt. Viele Gebäude in der Innenstadt sind aus weissem Vulkangestein gebaut. Arequipa wir von drei beeindruckenden Vulkanen bewacht und hat eine prachtvolle, wenn auch seismisch gefährdete Lage, denn die Region wird regelmässig von Erdbeben verschüttet. Das letzte fügte der Stadt 2001 beträchtliche Schäden zu.
Leider droht die Stadt im chaotischen Verkehr zu ersticken - dennoch hat sie ihren Reiz.



Bei einem Stadtbummel entdecken wir eine Fotoausstellung über die Alpen und die Anden:



Ein beliebtes Ziel, welches von Arequipa aus angefahren wird, ist der "Canyon de colca".
Er ist der zweittiefste Canyon der Welt. Er besticht jedoch nicht nur mit seiner Tiefe, sondern vor allem mit der Szenerie der Landschaft rundherum. Hunderte in Terrassen angelegte Felder, vermutlich schon sehr lange bestehend, geben der Landschaft eine besondere Note.
Wir fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin. Unterwegs muss ein 4900 m hoher Pass überwunden werden und das packt unser Iveco nicht.
Bereits das rege Treiben am Busbahnhof von Arequipa ist ein spezielles Erlebnis. Verschiedene Busziele werden lautstark angepriesen - so fällt es leicht den richtigen Bus zu finden. (Kostenpunkt: 5 sFr. für 2,5 Std. Busfahrt).
Am Ziel, im Chivay quartieren wir uns in einem Hotel ein.


Die Einheimischen von dieser Gegend stammen von zwei verfeindeten Gruppen ab die einst in dieser Region wohnten: Den Cabanas und den Colagua.
Angehörige beider Stämme tragen unterschiedliche Hüte und aufwändig bestickte Trachten.
Bei Chivay sind die Hüte weiss und mit Spitzen und Pailletten besetzt. Am Ostende des Colcacanyons sind sie oben rund und mit Baumwolle bestickt.





Wir wollen eigentlich entlang des Canyons durch die Dörfer wandern, doch unser Wanderführer scheint etwas veraltet zu sein: Viel Asphalt. Deshalb nehmen wir den Bus zum berühmten Aussichtspunkt. Von hier hat man einen tollen Blick in und um den Canyon und wir sehen tatsächlich einen Kondor!









An der Strasse werden die Gräben von Steinen befreit: Frauen sind hier fleissig am Werk:


Zurück in Chivay entspannen wir uns in einer Therme:


Das sieden heisse Wasser sprudelt aus dem Boden - keine Abdeckung 😱


Nach den drei Tagen in den Bergen geht es zurück in die Stadt.
Nach langem Abwägen entschliessen wir uns nicht nach Cusco zu fahren und auf den Besuch der berühmten Ausgrabungen Machu Pichu zu verzichten - es sind einfach zu viele hohe Pässe die zu überwinden wären und wir wollen ja keinen Motorschaden provozieren.
Also geht es zurück an die Küste. Hier fahren wir entlang der Panamericana Richtung Norden






Hier am Puerto del Inca gibt es alte Ausgrabungen der Incas: Hier wurden Fische gefangen, in Erdlöchern kühl gehalten, vermutlich irgendwie konserviert und von Läufern ins 800 km entfernte Cusco gebracht (Ausgrabungen rechts im Bild)


Hier in dieser Bucht gibt es einen Freiluftfrisörsalon





Der Weg Richtung Norden führt keineswegs immer dem Meer entlang. Es ist ein stetiges Auf und Ab durch tiefe Schluchten mit steilen ungesicherten Hängen an der Seite und es sind viele, teilweise schwer beladene Lastwagen unterwegs.



Irgendwann wird es flacher. Bei Nazca steigen wir auf den Aussichtsturm um einen kleinen Teil der berühmten Nazca - Linien zu sehen. Die Nazca waren eine Prä-Kultur der Inkas 
100-600 n. Chr. (die Inkas waren erst 1100 - 1530 n. Chr.)
Die Nazca Linien und Figuren wurden vor Hunderten von Jahren in den Sand gescharrt. Die Linien sind nach wie vor ein Mysterium. Auch für zahlreiche Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Es gibt mehrere Theorien welche die Bedeutung der Linien zu erklären versuchen.
Nach dem Aussichtsturm besuchen wir noch das Museum "Maria Reiche" diese deutsche Mathematikerin erforschte die Linien und lebte auch da.



In der Nähe der Linien gibt es alte Gräber mit nachgebildeten Mumien. Die Originale sind in Museen.



Wir fahren weiter durch die Wüste nach Huacachina, einer kleinen Oase inmitten von Sanddünen. Frühmorgens steigen wir eine der Dünen hoch und verschwinden dann bevor die grosse Masse kommt (hier tummeln sich hunderte von Tagestouristen um in einem Sandbuggy über die Dünen zu flitzen oder den Sand runter zu boarden.






Weiter geht es nach Paracas, ein kleines Städtchen am Pazifik welches für die vorgelagerten Inseln und deren Fauna bekannt ist. Wir buchen eine Bootstour raus zu den Inseln:



Obwohl die Inseln unter Naturschutz stehen, wird hier alle paar Jahre der anfallende Vogelmist abgebaut. Er eignet sich gut als Dünger.



Unser nächstes Ziel liegt in den Bergen: Die Gegend um Huaraz
Doch um dorthin zu gelangen müssen wir durch die 11 Millionenstadt Lima fahren. Obwohl wir auf der Autobahn fahren ist es voll und chaotisch - es wird gedrängelt was das Zeug hält.

Ein Nachbar auf der Autobahn:

Kurz nach Lima geraten wir in eine Polizeikontrolle: Fahrzeugausweis und Führerausweis werden verlangt. Der Polizist verschwindet für ein paar Minuten mit unseren Dokumenten, kommt zurück und sagt wir seien  zu schnell gefahren, das gebe eine Busse. Ich will wissen wo das gewesen sein soll und sage ihm, dass es unmöglich sei zu schnell zu fahren bei diesem dichten Verkehr. Er zeigt mir ein Foto von unserem Fahrzeug - von hinten fotografiert, eindeutig von da wo wir gerade stehen. Fritz steigt aus und schaut nach - ein gezeichneter Pfeil auf der Fahrbahn beweist das. Ich sage ihm, dass das Foto gleich hier gemacht wurde und ich das "Consulado suizo" anrufen würde. Er lässt uns ziehen.

Die Fahrt in die Berge ist wunderschön - das saftige Grün der Felder und Bäume ist eine Augenweide nach dem vielen braun, beige und grau von der Wüste.

Unterwegs in einem Dorf frage ich nach einer Bäckerei - ich laufe zuerst daran vorbei - wer vermutet hier eine Backstube? Blaue Tür!

Leider ist es auch hier in den Bergen nicht anders als im ganzen Land - es liegt unglaublich viel Abfall an den Strassen, in den Dörfern, einfach überall..



Auf 4100 m geniessen wir die Aussicht auf die imposanten Berge:
Huascaran, Alpomayo, Artesonraju und wie sie alle heissen



Von da her geht es abwärts ins Tal de Huaylas


Samstag, 8. November 2025

Chile, der Norden

Über den Paso San Francisco gelangen wir nach Chile. Der argentinische Zoll liegt ca. 24 km vor der Passhöhe (Landesgrenze), der chilenische hingegen 120 km (!) nach der Grenze. Auf diesen 120 km geht es stetig aufwärts und unser Iveco schaltet in den Notlauf - sprich: der Dieselpartikelfilter ist verstopft und das Fahrzeug quält sich den Berg hoch. Das passiert nicht zum ersten Mal, beim Balcon de Pisis (siehe letzter Eintrag) war das ebenso.
Beim Runterfahren fährt Fritz hochtourig und der Filter lässt sich so wieder ausbrennen. Wir kommen gut in Copiapo an ohne eine Garage aufsuchen zu müssen.

Aber: Diese Dieselpartikelfiltergeschichte stimmt uns nachdenklich und beeinflusst unsere weitere Route. Bolivien mit seinen hohen Pässen können wir vergessen. Schade, denn von der innenpolitischen Situation her wäre es wieder möglich.

Bild: unterwegs nach Copiapo 


Unser Übernachtungsplatz:


Laguna Verde unterwegs:


Kalte salzige Lagune und warme Süsswasserquelle:


Copiapo liegt im südlichen Teil der Atacamawüste. Die Atacamawüste ist 1200 km lang und erstreckt sich entlang der Pazifikküste. Sie ist die trockenste Wüste der Erde. Es gibt Orte an denen jahrzehntelang kein Regen registriert wurde. Südlich von Copiapo erblüht die Wüste in den schönsten Farben etwa alle 5 Jahre nach Regenfällen im August. Wenn die Pracht vorbei ist, schlummern die Samen weitere 5 Jahre im Sand bevor sie wieder erwachen.

Dieses Wunder der Natur durften wir erleben:










Da wir den Süden Chiles und Argentiniens im Jahr 2019 bereist haben, entschliessen wir uns nach Norden zu fahren. Wir fahren zuerst dem Pazifik entlang durch einsame Gegenden mit wunderschönen Schlafplätzen. Die Temperatur des Wassers wir von Fritz natürlich schwimmend getestet.




An der Küste liegt auch der Parque "Pan de azucar". Hier gibt es ein paar Wanderwege welche wir natürlich unter die Füsse nehmen.




Nun fahren wir wieder landeinwärts nach "San Pedro de Atacama". Diese Wüstenoase liegt auf 2407 m und ist Ausgangspunkt für Ausflüge und Wanderungen zu Lagunen, Salzpfannen, Geysiren und Vulkanen. Der Weg dorthin ist gesäumt von viel Minentätigkeit: Silber, Kupfer, Sulfur, Gold werden hier im grossen Stil abgebaut. Tiefe "Löcher", viele Lastwagen, viel Staub - kein schönes Bild.
Schöne Schlafplätze zu finden ist ein Ding der Unmöglichkeit - so begnügen wir uns mit dem was möglich ist:


Neben der Minentätigkeit gibt es noch eine andere unschöne Seite:



Am Schlimmsten ist der Dreck in der Nähe von Dörfern. Es scheint zwar teilweise eine Abfallentsorgung zu geben, sogar PET - Sammelstellen haben wir gesehen, aber die Lastwagen kippen das Ganze dann einfach irgendwo in die Wüste - es wird auch keine Grube ausgehoben. Der Wind verteilt dann die Teile wieder, sodass Sträucher aus der Distanz aussehen, als hätten sie Blüten - in Wirklichkeit sind es jedoch irgendwelche Plastikfetzen.
Im Norden der Wüste liegen auch die Altkleiderberge, Reste von den importierten Altkleidern aus den USA, Asien und Europa. Die Kleider werden hier verkauft. Was sich nicht verkaufen lässt, landet in der Wüste.


In San Pedro de Atacama quartieren wir uns auf einem Campingplatz ein. Wir haben diese Wüstenoase vor 20 Jahren schon einmal besucht. Damals gab es 3 - 4 Büros welche Touren anboten. Jetzt sind es geschätzte 50.
Wir besuchen die Tatio Geysire, das höchstgelegene Geysirfeld der Welt - es ist magisch!  







Und wir besteigen den Vulkan "Toco":





Ein chilenisches Observatorium am Fuss der Toco - in Sichtnähe befindet sich noch eines von China





Nach der Besteigung des Toco liebäugeln wir mit der Besteigung des "Licancabur" 5916m üM.


Doch zuerst braucht es noch etwas Höhen - und Fitnesstraining:


Wir buchen die zweitägige Tour bei einem Guide. Es sind noch zwei andere mit von der Partie:
Max aus Deutschland und Nik aus der Schweiz.
Wir fahren ins Basislager auf 4400müM. um dorthin zu gelangen muss ein 5500 m hoher Pass überwunden werden. Die Strasse zum Basecamp ist ein schmaler "Feldweg". Teilweise überwinden wir schwierige Stellen im Schrittempo und zentimetergenauer Lotsung.
 

Am zweiten Tag laufen wir mit viel Verspätung los. Unser Führer scheint es nicht eilig zu haben. Er läuft im Schneckentempo und bleibt immer wieder stehen, so dass ein guter Gehrhythmus unmöglich ist. Irgendwann fragt er, ob das Tempo gut sei. Ich wage zu äussern, dass er etwas schneller laufen dürfe. Daraufhin entledigt er sich seiner warmen Kleidung und spurtet los. Wir vier Gäste schauen uns verdutzt an - keiner von uns hat eine Chance ihn einzuholen. Wir müssen den Weg im steilen Geröll mit den grossen Steinbrocken selber suchen. Wenn der Guide dann mal wartet, fragt er ob wir noch weiter wollen, alle bejahen und daraufhin spurtet er wieder los. Das wiederholt sich ein paarmal. Um 11 Uhr auf 5700 m Höhe meint er dann es sei Zeit zum umkehren, sonst würde es zu spät werden. 
Schade, es hinterlässt den Verdacht, dass der Guide das so geplant hatte damit er früher wieder zu Hause ist. Die beiden jungen Männer erzählen uns dann, dass er ihnen gesagt hatte, dass mehr als die Hälfte den Gipfel nicht erreichen würden - kein Wunder...
Doch allen Widrigkeiten zum Trotz, die wunderschöne Natur hat uns entschädigt:




Wir verlassen San Pedro zuerst wider zurück nach Calama, dann nordwärts . Sand, Steine, Staub, wilde Schluchten säumen den Weg bis nach Arica, die nördlichste Stadt in Chile. Hier bleiben wir zwei Nächte:


auch hier, mitten in der Wüste erwartet man Weihnachten..

wir entdecken einen Hundefriedhof:

Die Grenze zu Peru liegt nur ein paar Kilometer weiter. Wir kochen unser Gemüse und verarbeiten die Äpfel zu Öpfelschnitzli - es dürfen kein rohes Gemüse, keine Früchte, keine Eier, keine Nüsse mitgenommen werden.

Wir sind gespannt auf Peru und auch ein bisschen unsicher wegen den Höhen - was liegt drin mit unserem Bluemonster ohne dass etwas kaputt geht - und da ist auch noch die Regenzeit in den Bergen...wir werden sehen!